Die Fotos, die ich hier zeige, gehören mit zu meinen schönsten. Sie strahlen eine wohlige Wärme aus. Das liegt natürlich am Motiv selbst, also am Rathaus. Im Inneren wurden ausschließlich natürliche Materialien verarbeitet und mir gefällt ganz besonders gut, dass man sich alles Mühe gibt, es stimmig zu erhalten. Man verzichtet also weitgehend auf modernes Equipment; jedenfalls ist davon nichts sichtbar. Gut so. Geprägt wird die Eingangshalle von goldgelben Sandstein, dunkles lackiertes Holz, warmes glänzendes Messing und schöne Laternen mit altmodischen Glühlampen. Alles ist gediegen, aufeinander passend abgestimmt, aber nie protzig. Man leistet sich in einem der oberen Säle eine Ledertapete aber keine goldenen Türen. Wenn Sie glauben eine solche während einer Führung entdeckt zu haben, muß ich widersprechen. Die ‘Prachttür’ ist auch (nur) aus Aluminium mit einer Messingbeschichtung gearbeitet. Allerdings muß man sagen, dass damals das Leichtmetall etwas ganz Neues und damit Exklusives war. Ich kann sie leider nicht zeigen, denn diesmal habe ich an keiner Tour teilgenommen. Es war mir schlicht zu voll. Aber die Türen im Erdgeschoss sind genauso schön anzusehen und die habe ich fotografiert.

 

 

Die ganze Eingangshalle, ich nenne sie gerne Diele, ist sehenswert. Fast immer finde ich doch noch irgendwo ein Detail, dass mir bisher entgangen ist. Überhaupt gehe ich inzwischen regelmäßig ins Rathaus, sobald ich in der Nähe unterwegs bin. Alleine schon wegen der Mitarbeiter. Die sind ausgesprochen freundlich. Immer lasse ich mir eine Frage einfallen, nur um ins Gespräch zu kommen. So auch heute morgen und es dauerte nicht lange und ich wurde mit Komplimenten überschüttet. Wer hört so etwas nicht gerne und hier bekommt man die Nettigkeiten sogar Gratis. Die Damen und Herren haben Geduld und Humor. Wohl Grundvoraussetzung für den Job, denn es gibt Fragen, die sie garantiert mehr als hundert Mal täglich hören. Und jeder Tourist glaubt natürlich er/sie wäre die Einzige die wissen will wann/wo/wie teuer die nächste Führung ist. Die Antwort der Mitarbeiter fällt aber tatsächlich so aus, als hätten sie diese Anfrage zum allerersten Mal gehört. Bravo!

 

 

Im Rathaus darf kostenfrei fotografiert werden. Aber bitte ohne Blitzlicht. Manche fragen gar nicht erst bevor sie jeden Winkel ausleuchten. Ich würde solche Besucher rausschmeissen, aber genau das könnte der Grund sein, warum ich einen solchen Arbeitsplatz nie bekommen habe. Sicher einer der schönsten Orte Hamburgs. In dieser Diele, die man durch den Haupteingang erreicht, trifft man überwiegend auf Touristen. Aber eine diplomatische Delegation, vielleicht aus dem Orient, kam mir dann heute doch entgegen, als ich eine der Treppen bis zum ersten Podest hinaufging. Ein Mitarbeiter verabschiedete gerade die drei Herren, die dann mit Kopftuch und flatternden Gewand wie die heiligen drei Könige entschwanden. Der Bürgermeister selbst und seine Senatoren betreten das Haus durch Nebeneingänge, wo ihre Fahrer direkt vor der Tür halten können. Ich bin beim Fotografieren einmal genau dort Olaf Scholz begegnet. Der übrigens auch sehr nett reagierte. 

 

Einer der beiden Löwen, die man im oberen Bild von ihrer Rückseite sehen kann. Sie stehen erhöht auf Podesten an der Treppe und überschauen die ganze vor ihn liegende Halle. Dahinter geht es zu den Büros und Sitzungssälen.

 

An beiden Kopfenden der Diele ist jeweils ein zweiläufiges Treppenhaus untergebracht. Bei einem der beiden führen ein paar Stufen in den Ratsweinkeller. Ein Restaurant so alt wie das Rathaus. Ich mag Traditionen und fühle mich hier durchaus wohl. Allerdings ist es zu früh, um dort einen Besuch zu machen. Alle 15 Minuten gongt eine Uhr. Ziemlich laut aber nicht unangenehm. Ist es die Glocke im Turm? Ich glaube nicht, eher eine kleinere hier in der Diele. Und damit hätte ich dann gleich eine Frage für meinen nächsten Besuch hier.

 

In der Mitte der Eingang zum Ratsweinkeller, der allerdings inzwischen einen schickeren Namen erhielt: Restaurant Parlament Hamburg. Nun gut, Hauptsache das Essen schmeckt. Und die uralten Gewölbe werden sie ja wohl auch behalten haben, oder?

 

Dieses Treppenhaus ist immer deutlich leerer als das gegenüberliegende mit den attraktiven Löwen. Eine gute Gelegenheit einfach mal selbst die Lage zu peilen. Eigentlich ist es wohl nicht erlaubt ohne Begleitung ins Innere des Rathauses zu gehen, aber ich denke die rote Linie beginnt erst hinter der schweren Eichenholztür, auf dem ersten Treppenpodest. Durch eine Öffnung, die mit schmiedeeisernen Stäben, aber ohne Glasfüllungen, gesichert ist, kann ich die Anschlagtafel entdecken. Nennt man das heute ‘what’s on’? Egal, die uralte Tafel wird mit hübsch beschrifteten Holzschildern bestückt. Darauf steht wann die Bürgerschaft tagt und wo welcher Ausschuß zusammenkommen wird. Ich mag das leiden und freue mich, dass man sich der Mehrarbeit nicht scheut. Andere hätten hier längst eine digitale Anzeigetafel installiert, die per Remote Computer gesteuert wird.

 

 

Gleich daneben ist eine andere beeindruckende Tür zu finden. Ich sehe sie aber erst, als ich direkt davor stehe. Auf dem Ding steht ‘Fahrstuhl’. Ob der wirklich in Betrieb ist? Inzwischen denke ich ja, der Lift fährt auf Wunsch nach oben. Aber oft wird man ihn wohl nicht benutzten. Überhaupt ist zumindest dieser Teil, also der Hauptzugang des Rathauses, nicht gerade benutzerfreundlich gestaltet. Wer nicht gut zu Fuß ist, kommt hier weder rein, geschweige denn rauf. Das finde ich insofern interessant, weil ich mich frage, ob früher die Amtsträger nie immobil waren. Da waren doch auch viele ältere Herren darunter. Frauen meines Wissens nicht. Konnten die sich alle ohne Stock bewegen?

 

Der Fahrstuhl, links und rechts Holzsitze auf Granitsockel. Was auf dem Verbotsschild steht, habe ich nicht verstanden. Ich bin nicht gut im Erraten von Logo-Bedeutungen. Ich denke da immer viel zu kompliziert. Wenn es mir dann einer erklärt, kann ich nicht fassen, wie einfach es ist.

 

Jetzt bin ich hier lange genug herumgelaufen ohne dass mich irgendjemand zur Ordnung ruft. Das will ich nicht ausnutzen und gehe deshalb schnell zurück in die große Empfangsdiele. Da tut sich gerade die Tür zum Rathausmarkt auf und eine nicht endende Kette von erwachsenen Menschen strömt herein. Alles Touristen, da muß ein Bus vorgefahren sein. Ich habe keine Chance herauszukommen. Vor allem weil wohl jeder zweite in der Tür wie angewurzelt stehen bleibt, seine Überraschung über den Anblick der Diele kundtut und gleichzeitig das Handy zückt um erst einmal alles fotografisch zu dokumentieren. Und zwar genau von der Stelle wo er steht, also mitten in der Tür, die maximale Platz für zwei Menschen bietet. Eigentlich für vier, aber der zweite Flügel ist fest verschlossen. Andererseits freut mich die Szene, denn so habe ich wieder Futter für diesen Blog bekommen. Und durch das ungeplante Warten entdecke ich auch gleich noch einen Wandbrunnen, der ein Foto wert ist.

 

 

Nein ich bin kein übertrieben höflicher Mensch und meine Geduld ist klar begrenzt. Die Kette der Hereinströmenden bricht einfach nicht ab. Dafür stehen inzwischen ein Dutzend Leute hinter mir, die geduldig auf ihren Auslass warten. Bei Straßenbaustellen wird doch auch eine Ampel aufgestellt. Mal hat die eine Spur grün, dann die andere. Also beschließe ich jetzt einstimmig, dass wir das Ampellicht wechseln. Meine Gelbphase ist extrem kurz, dann sehe ich grün und drängle mich durch. Es klappt. Sofort bleibt die Menge stehen und wir sind am Zug. Zum Glück ist mein Engländer nicht dabei, der hätte bis in die Abendstunden geduldig gewartet und meine Aktion als ’embarrassing’, also peinlich, bewertet. Ganz kurz bleibe ich dann doch noch im ‘Windfang’ stehen, denn dort in der Ecke hängt ein historischer Briefkasten an der Wand. Der ist noch voll im Dienst. Die Gebrauchsspuren sind deutlich, aber das glänzende Ding wird auch regelmäßig auf Hochglanz poliert. Da ist kein Fingerabdruck zu sehen, dafür spiegele ich mich selbst in der Front, das merke ich aber erst als ich das Bild am PC sehe.